Das Leben einer Kaffeebohne (Tansania)

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2006: Die Karagwe Secondary School in Tansania und das Gymnasium Heide-Ost befinden sich am Beginn des Aufbaus einer Schulpartnerschaft. Seitdem ist viel passiert. Schüler_innen aus Tansania waren zu Gast in Deutschland, Jugendliche aus Heide besuchten ihre tansanischen Freunde zum Gegenbesuch in Afrika, um sich über “das Leben der Kaffeebohne” zu informieren und ein stärkeres Bewusstsein füreinander zu entwickeln. Die Schulpartnerschaft wurde aktiv von ENSA begleitet und unterstützt, Wissen um Globales Lernen in Vor- und Nachbereitungsseminaren vertieft. Darüber hinaus beteiligen sich die deutschen Schüler an einer regelmäßig stattfindenden AG zum entsprechenden Thema.

Dank ENSA  nach Karagwe

Seit Sommer 2006 arbeiteten Jugendliche und Betreuer_innen an dem schulübergreifenden Austauschprojekt. Haupt- und Realschüler sowie Gymnasiasten beteiligen sich gemeinsam. Im Dezember 2006 war eine Gruppe aus Karagwe zu Besuch in Heide. Malou Terbille (15) aus Ostrohe, in deren Familie die tansanische Austauschschülerin Elieth untergebracht war, erinnert sich: „In Tansania haben die Menschen ein ganz anderes Verhältnis zur Zeit, haben echt die Ruhe weg. Wir sind eigentlich nie pünktlich gekommen“.

Karagwe ist der nördlichste Distrikt der Region Kagera, dem nordwestlichen Zipfel des ostafrikanischen Staates an der Grenze zu Uganda. Die Ostgrenze der Region bildet der Viktoriasee. In dem Distrikt leben 430.000 Menschen. Tansania hat knapp 37 Millionen Einwohner; auf einem Quadratkilometer leben 39 Menschen. Für die Schüler_innen aus Deutschland eine wirkliche Umstellung und eine große Herausforderung. Tansania gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Steigende Preise auf dem Lebensmittelsektor führten dazu, dass die privaten Einkommen überwiegend für Lebensmittel aufgebraucht werden.

Im Mittelpunkt: Die Kaffeebohne

Alle Projektteilnehmer_innen erkundigten sich über die Herkunft, den Transport, die Lagerung und die Verarbeitung von Kaffee, denn auch in Tansania wird nicht nur viel Kaffee angebaut, sondern auch verkauft. Die Schüler_innen aus Tansania besuchten in Hamburg den Hafen, dem Ankunftsort der Kaffeebohnen. Auch das Kaffeemuseum war dann natürlich für dieses Projekt ein Muss. Im Sommer folgte der zweite Teil des Austausches. Elf Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren vom Schulzentrum Heide-Ost flogen für drei Wochen nach Tansania und waren zu Gast an der Karagwe-Internatsschule in Tansania.

„Das Leben einer Kaffeebohne“ – so der Titel ihres Projekts, in dem sie die wirtschaftlichen, sozialen und ethischen Aspekte eines der wohl bekanntesten Genussmittel untersuchten. Schließlich gehören Kaffeeplantagen zum alltäglichen Leben der Schüler_innen in Karagwe. Das bot die Möglichkeit, sich nicht nur theoretisch mit dem Thema zu befassen, sondern auch direkt mit Kaffeeproduzenten zu sprechen. Auf der anderen Seite hatten die Tansanier_innen in den drei Wochen ihres Aufenthalts in Heide die Chance, sich mit einem Konsumentenland zu befassen. Die Jugendlichen führten Umfragen zum Konsum durch, besuchten den Eine-Welt-Laden, eine Kaffeerösterei und das Kaffeemuseum in Hamburg.
Am Beispiel des Kaffees wurden die engen Verflechtungen zwischen Deutschland und Tansania exemplarisch herausgearbeitet. Damit wurde den Heidern klar, wie abhängig das afrikanische Land vom Außenhandel ist. Fällt der Kaffeepreis, oder wird der Handel Opfer von Spekulationen, hat das direkte Auswirkungen auf die Menschen in Tansania: Dabei können sie den Großteil ihres Einkommens verlieren, Armut und Hunger sind die Folge. „Zum ersten Mal hat mir der Begriff ,Fairer Handel’ seine Bedeutung offenbart”, meint die 17jährige Schülerin Sandra Schleip.

Jugendlich aus Tansania zu Gast in Deutschland

„Die Menschen dort sagen zwar Jambo, anstatt Hallo, die Kultur und Lebensweise ist auch ganz anders, aber sonst sind wir gar nicht so verschieden”. Diese Erkenntnis hat Sandra Schleip von ihrer ersten Begegnung mit Schülern und Lehrern der Karagwe Secondary School aus Tansania gewonnen. So sind die Tansanier zum Beispiel genauso fußballverrückt, wie die Deutschen. „Die schauen unsere Bundesliga und Champions League im Fernsehen und wussten besser über den Deutschen Fußball Bescheid als ich”, erinnert sich die Schülerin. Das Interesse an den Menschen einer anderen Kultur ist so groß, dass die Heider eine Menge ihrer Freizeit opfern, um das Projekt dieser außergewöhnlichen Schulpartnerschaft nach und vor den eigentlichen Begegnungen zu beleben und voranzutreiben. Es geht also nicht um Entwicklungshilfe, sondern um Erfahrungs- und Informationsaustausch aus allen Lebensbereichen, um einen gemeinsamen Dialog auf Augenhöhe. Es solle Verständnis füreinander geweckt werden.

Schulpartnerschaft soll ausgebaut werden

Lehrer und Mitinitiator Michael Wolpmann ist von der Nachhaltigkeit der Partnerschaft überzeugt und sagt: „Wir haben bereits und werden noch sehr viel unserer Zeit und Arbeitskraft investieren”, betont Wolpmann. Er fügt an: „Das ist ein wirklich interessantes und lohnendes Projekt, das weitergeführt werden muss.” Das finden auch die Schüler_innen, die das Projekt weiter fördern wollen – und es etwa in Heide der Öffentlichkeit vorstellen. Die Schüler_innen setzen sich für das Projekt aktiv ein und werben für Unterstützung bei der kommunalen Politik, bei Kirchengruppen, Weltläden, Vereinen und Medien. Schüler_innen und Betreuer_innen bleiben am Ball und organisieren weiter Projekttreffen, Veranstaltungen und Präsentationen.

Weitere Informationen zur Schulpartnerschaft und dem Projekt

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